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»Was mir nicht gut tut – weg damit!«

Willibert Pauels hat seine Depressionen überwunden – dank professioneller Hilfe und einer großen Portion Humor

Schwarzes Hütchen, rote Pappnase und breites Lächeln im Gesicht – so kennt man den rheinischen Karnevalisten Willibert Pauels von seinen Auftritten bei unzähligen Fernsehsitzungen. Der katholische Diakon hat sich als „Bergischer Jung“ einen Namen gemacht und Frohsinn verbreitet. Zu diesem Bild wollte aber so gar nicht die andere Seite des Büttenclowns passen: die Schattenseite der quälenden Depressionen.

Das Schwarze war gestern. Heute will Willibert Pauels Licht ins Dunkel bringen, aufklären und Gleichgesinnten helfen – deswegen hat er darüber ein Buch geschrieben: „Wenn Dir das Lachen vergeht – wie ich meine Depression überwunden habe.“

Die DGMG sprach mit dem 62 Jahre alten Autor über den offenen Umgang mit der Krankheit und die große Kraft des Lachens.


Herr Pauels, Sie gehen sehr offen damit um, unter Depressionen gelitten zu haben. War das eine leichte Entscheidung?

Mit Offenheit hatte ich Gott sei Dank nie ein Problem. Eine der wichtigsten Stellen im Evangelium lautet für mich: „Die Wahrheit wird euch frei machen.“ Zu sich und seiner Krankheit zu stehen, ist der erste Schritt zur Heilung.


Als katholischer Diakon hat Ihnen sicher auch der Glaube an Gott geholfen, die Depression zu besiegen?

Die heilige Theresa von Avila, welche selber über 20 Jahre unter „Schwermut“, also Depression litt, schrieb, als sie aus der Höllenkrankheit befreit war: „Bei einer Schwermut soll man nicht beten, sondern sich zerstreuen.“ Denn ein Symptom der Depression ist „Grübelzwang“. So auch bei Goethes „Faust“ zu sehen: „Weh weh, wär ich die Gedanken los, die mich hinüber und herüber treiben!“ Da Gebet in der Phase der Depression nichts anderes als eine versteckte Form des Grübelzwanges ist, kann es durchaus kontraproduktiv sein.


Wie haben Sie eigentlich erste Anzeichen Ihrer Depression wahr­genommen?

Bei mir machte sich das bereits in der Kindheit bemerkbar. Bereits als kleiner Junge erlebte ich Phasen der Panik, Angst, Schuldgefühle, tiefste Niedergeschlagenheit und eben diesen Grübelzwang.


Gibt es aus Ihrer Sicht ein paar „Grundregeln“, die jemand befolgen kann, sobald er oder sein Umfeld diese Anzeichen wahrnehmen?

Grundregel: klare Offenheit! Und: Angehörige können bei einer Depression NICHT helfen. Alles gute Zureden erreicht den Kranken gar nicht. Also: Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, am besten in einer psychiatrischen Klinik. Da gibt es aber leider Unterschiede, manche Psychiatrie arbeitet noch mit den veralteten Methoden der 70er Jahre. Aber es gibt gute „Ranking-Listen“, um eine geeignete Klinik für sich zu finden. Die beste Empfehlung, die ich geben kann, ist die Psychiatrie Neuss (St. Alexius-/St. Josef-Krankenhaus).


In Ihrem Buch erzählen Sie von Ihrem Arzt, der Ihnen empfohlen hat, „Inseln“ im Alltag zu schaffen, von denen aus Sie dann die einzelnen Herausforderungen besser schaffen können.

Ich hatte das große Glück, den Mega-Stress-Beruf des Kölner Karnevalisten sofort verlassen zu können und in meinen „Insel-Beruf“ des kirchlichen Dienstes zurück zu kehren. Aber auch, wo dies nicht möglich ist, gibt es Strategien, die der Profi, sprich Therapeut und Psychiater, alle kennt und weiterhelfen kann. Das gibt es zum Beispiel das sogenannte Hamburger-Modell, also die stufenweise Wiedereingliederung nach einem Reha-Aufenthalt. Ich empfehle das ehrliche Gespräch mit dem Chef und anderen wichtigen Mit­ar­bei­­tern. Aber nochmal zu­- rück zur Unterstützung des Therapeuten: Man kann mit ihm einen regelrechten Plan ausarbeiten: Wie sieht meine Tagesstruktur aus? Wo finde ich „Inseln“ der Entspannung? Und was mir nicht gut tut, weg damit!


Als Büttenredner und Komödiant haben Sie die Leute immer zum Lachen gebracht. Wie waren die Reaktionen, als sie die Menschen plötzlich mit Ihrer Offenheit zum Thema Depression auch zum Nachdenken gebracht haben?

Interessanterweise ALLE positiv. Unter hunderten von Reaktionen waren vielleicht drei/vier negativ. Für viele Selbstbetroffene war es sogar eine Befreiung.


Sind Witze über Depression erlaubt, weil das quasi Teil der Therapie sein kann, oder verbietet es sich, weil damit nicht zu spaßen ist?

Bei Witzen gibt es keine Tabus! Nur im Einzelfall, wenn mein Gegenüber gedemütigt und niedergemacht wird. Das entscheidet sich aber in der jeweiligen Einzelsituation. Ich würde also sagen: Im Gegenteil – Wahrheit macht frei! Humor macht frei! Das Lachen ist der beste Arzt!


Das Interview führte unsere Redakteurin Christina Hauptmann

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